Das
Sich-dem-Leben-Hingeben
Das
Leben, wie ich es jetzt führe, ist ziemlich sinnlos, besonders stark
ist mir das im Zusammenhang mit der Krankheit aufgefallen, die schon
fast eine Woche kaputt gemacht hat. Ich werde daran nicht kaputt
gehen, da es sich um einen mittelschweren grippalen Infekt handelt,
aber wenn ich mir vorstelle, dass es auch was Schlimmeres sein
könnte, das zwar nicht zum Tod, aber z.B. zur Invalidität führen
könnte: Was alles hätte ich dann versäumt, und wie würde ich es
bedauern!? Vor allem, da ich ein gut aussehender (bis auf die Zähne),
intelligenter, junger Mann bin. Nicht übermäßig potent, aber das
kann durch leicht von mir erlernbare Technik wett gemacht werden,
siehe Küsskunst (ich weiß nicht, ob ich da nicht schon allerhand
verlernt habe, anhand fehlender Praxis in letzter Zeit, sicherlich!),
Blasfähigkeit, da geht noch jede, jeder ab, und
Scharfmacher-Handspielen (bestimmt besser als die
Durchschnittsprostituierte der Liebesstraße).
Die
einzige Frau, die mich bis jetzt angekotzt hat, war Wlagostia F.,
sexuell, meine ich.
Ich
habe gerade kalten Kaffee gekocht!
Willst
du auch einen?
Eiskalt!
Warum
ist es draußen bloß so duster?
Ich
kann nicht schlafen; erst fit wie ein Turnschuh, dann hob ich mir
fast ne Zerrung weg, war parallel dazu im Geiste aber immer noch fit,
dann kaufte ich ein, wurde müde, dann aß ich noch was, fühle so
etwas wie Fieber in mir, aber schlafen konnt ich nicht, vielleicht
Sekunden-, Minutensache, noch ungewogen, definitiv habe ich Fieber.
Ungemessen
zwar, aber da.
"Die
Aeroplane in Brescia und andere Texte"
15
Stories, 2 - 20 Seiten, Bewertung: zwischen 5 und sehr gut (zwei
unverständliche, also unwertbare Stories: "Fragment des
'Unterstaatsanwalts'" und "Skizze einer Selbstbiographie",
das Händchen, der Blick fehlte), Notendurchschnitt 3 plus; Note 2
plus, da ich vom Buch gefesselt wurde und es in einem Zug durch las,
einige Erzählungen zweimal.
Beim
Titelstück habe ich den Verdacht, dass die Story nicht von Kafka,
sondern von Brod o.a. stammt: eine lange, vollendete, so vor sich hin
plätschernde Kafka-unadäquate Reisebeschreibung; die Sprachrhythmik
ist untypisch, irgendwas stimmt da nicht, auch in Bezug auf die
folgenden Kurzgeschichten. Separatbewertung: 3 minus. Nachwort von
Reinhard Lettau: 6 minus, -noch nie hat ein Mensch Kafka so wenig
begriffen wie Lettau! Dazu kommt noch seine bemerkenswerte
Formulierungsunfähigkeit (3-mal gelesen).
Für
einen, der Kafka nicht studiert hat, ist es schwer, den Zusammenhang,
Rahmen der einzelnen Geschichten zu sehen, da keine Erläuterungen
hinzugefügt wurden: reine, kommerzielle Ausbeutung des Namens ("in
dieser Zusammenstellung noch nie erschienen").
Erschienen
im S. Fischer Verlag, FfM 1977 (FfM heißt Frankfurt am Main, soll es
zumindest heißen).